Was bedeutet der Sankt Martins Umzug? Benannt wurde er nach dem heiligen Martin von Tours, dessen Tag am 11. November begangen wird. Innerhalb des christlichen Kalenderjahres ist der Martini oder Martinstag ein angesehener Brauch-, Rechts- und Wirtschaftstermin.
Tag des Heiligen Martins
Am Martinstag wurde seit dem 6. Jahrhundert das bis Weihnachten reichende Adventsfasten eingeläutet. Man nannte das Adventsfasten auch die kleine Fastenzeit, da sie nie streng eingehalten wurde. Heute spielt das Fasten im Advent keine Rolle mehr, auch nicht bei strenggläubigen Christen. Der Legende zufolge teilte der Heilige Martin seinen Umhang mit einem frierenden Bettler.
Der heilige Martin und der Bettler, El Greco (um 1597–1599)1
Brauchtum Sankt Martins Umzug
Die Bedeutung des Martinstags wird durch unterschiedliche regionale Bräuche am Leben erhalten, wie den Sankt Martins Umzug, Martins Feuer, sowie den Auftritt von maskierten Gestalten. Ebenso gehörten Festspeisen (Martinsgans, Martinsgebäck), Geschenke, Lieder (Martinslieder) und Spiele dazu.
Den Sankt Martin Umzug dürften noch viele Menschen aus ihrer Kindheit kennen. Gemeinsam mit ihren Eltern tragen die Kinder ihre mit Kerzen erhellten, selbst gebastelten Laternen durch die Dunkelheit und singen Sankt Martins Lieder. Manchmal begleitet ein Reiter den Umzug, und die Szene des Schenkens wird nachgestellt. Manchmal wird im Anschluss ein Martinsfeuer entzündet.
Doch meistens bleibt es beim Laternenumzug in der Nacht und einer der Lieder klingt vielleicht noch in den Ohren: Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne. Brenne auf mein Licht, brenne auf mein Licht, aber du, meine liebe Laterne, nicht. Dieser Umzug findet kirchlich und überkirchlich statt. Im ersten Fall endet der Laternenzug oft in einer Kirche.
Wirtschaftliche Fälligkeitstermine
Protestantisch geprägte Regionen führten die Bräuche oft auf Martin Luther zurück. Eine weitere Legende besagt, dass sich der heilige Martin von Tours in einem Gänsestall verbarg, um der Wahl zum Bischof zu entgehen. Jedoch verriet ihn das eifrige Geschnatter der Vögel, weshalb diese speziell am Martinstag (Martinsgans) für diesen Verrat einzustehen haben.
Für ländliche Dienstboten und Stadtbesoldete war der Martinstag ein wichtiger Wechseltermin. Fälligkeiten wie Zinslieferungen, oder traditionelle sowie herrschaftliche Gegenleistungen wurden abgegolten.
Festtag der Hirten
St. Martin galt ebenso als Festtag der Hirten, da diese den Heiligen als Hüter ihrer Herden betrachteten. An diesem Tag suchten die Hirten ihren Dienstherrn auf und wurden für diese Geste belohnt. Ein Bauernspruch besagt Folgendes: „Hat St. Martin einen weißen Bart, wird der Winter lang und hart.“
Im 19. Jahrhundert wurde der Martinsbrauch im Rheinland den Ansichten der Bürger entsprechend angepasst. Diese Form des Brauchtums (Laternenumzug, Feuer, Bescherung), entsprach dem damaligen bürgerlichen Verständnis jener Zeit. Sie behauptete sich jedoch in ihren alten Verbreitungsgebieten (Rheinland, Belgien, Niederlande) und bürgerte sich auch in Oberdeutschland und anderen Regionen ein.
Karnevalbeginn
Der Sankt Martins Tag und der damit zusammenhängende Umzug fällt auf den gleichen Tag, wie der Beginn des Karnevals: am 11.11. Doch meistens wird der Karneval erst im Wintermonat Februar gefeiert in den Tagen und dem Wochenende vor Aschermittwoch.
Quellen
- Beitragsbild: Stankt Martin in einer Kirche, Zadar in Kroatien, Adobe Stock.
- 1 Bild vom Sankt Martin, der die Hälfte seines Mantels einem Bettler übergibt. -> Wikipedia (zuletzt aktualisiert: 01.02.22), Martinstag (aufgerufen am 29.06.22).
- Martinslaternen, Adobe Stock.
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